Freitag, 12. Juli 2013

Hurrelmann - Entwicklungsaufgaben und Gesundheit



Der Kernkonflikt der Adoleszenzphase liegt in der Gewinnung der Identität und es kann währenddessen zu heftigen Orientierungs- und Selbstwertkrisen kommen. Um die Phase der Adoleszenz erfolgreich zu durchlaufen, müssen die vier folgenden Entwicklungsaufgaben erfüllt werden:



1)     Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz  
für den Erwerb von Qualifikationen und um den Anforderungen des Bildungs- und Berufssystems nachkommen zu können;
schafft Voraussetzungen für eine zukünftige selbstständige Existenz


2)     Entwicklung der eigenen Geschlechtsrolle und Ausbildung von Bindungsverhalten
Basis für eine mögliche spätere Erziehung eigener Kinder

3)     Entwicklung eines eigenen Werte- und Normsystems und Ausbildung eines ethischen Bewusstseins   
für verantwortliches Handeln und Orientierung an dem sich das eigene Handeln richten kann

4)     Entwicklung eigener Handlungsmuster zur Nutzung des Konsumwaren- und Freizeitmarktes 
→ zur Findung eines eigenen Lebensstil
→ gesteuerter und bedürfnisorientierter Umgang

Gesundheit und erfolgreiche Sozialisation
Die Grundlage für eine gelingende Bewältigung der Adoleszenzphase ist das aktive und
flexible Bemühen des Individuums Schwierigkeiten zu bewältigen. Des Weiteren ist eine
möglichst große Resilienz (Widerstandskraft) erforderlich. Auch ein Variationsreichtum 
bei der Auswahl von Bewältigungsstrategien, unter anderem durch eine gute Selbstkontrolle, soziale Aufgeschlossenheit und der Bereitschaft sich unterstützen zu lassen, wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Die Fähigkeit zur reflexiven Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben erweist sich als einer der wichtigsten Faktoren. 
von Anna-Sophie Schwarze

Mittwoch, 10. Juli 2013

Erikson - Phase der Adoleszenz

In Erik H. Eriksons Stufenmodell zu psychosexuellen und psychosozialen Entwicklung berücksichtig er auch die Phase der Adoleszenz. Diese Phase thematisiert die Identitätsfindung eines Jugendlichen, die im Alter von 12 – 20 Jahren statt findet. 

Hormonelle und körperliche Veränderungen führen zu einer neuen Selbstwahrnehmung. Des Weiteren findet die Ablösung des Elternhauses statt und die Zuwendung zu den gleichaltrigen Peer Gruppen. Jugendliche müssen verschiedene Einflüsse von Innen und Außen, Erfahrungen und Forderungen verarbeiten, bewältigen und erfüllen, welche als Anpassungsleistungen zusammengefasst werden.

Der Kontakt zu den Gleichaltrigen ist wichtig für die Loslösung von den Eltern und zur Definierung des Jugendlichen mit sozialen Komponenten ihrer eigenen Identität. Somit bilden die Peers einen sozialen Rückhalt.

Die Eltern eines Jugendlichen konkurrieren mit den Peers um den Einfluss auf das Individuum, da diese versuchen (vermeintlich) schädliches  Verhalten, bedingt durch die Gleichaltrigen, zu vermindern/zu vermeiden. Eltern haben die Aufgabe, die Entwicklung und Veränderung der Jugendlichen zu zulassen. Sie müssen lernen sich neu und anders mit ihren Kindern auseinander zu setzen und Regeln, Ver- und Gebote müssen sinnvoll überarbeitet werden. 

Während dieser Phase benötigen Jugendliche Unabhängigkeit und Autonomie, sodass eine gewisse Entscheidungsfreiheit entsteht. Eltern müssen also Widerspruch zu lassen und dennoch ihre Kinder in eine angemessene Richtung lenken und begleiten. Besonders wichtig für die Identitätsbildung ist Bestätigung und Anerkennung durch die Gesellschaft, somit kann der Jugendliche seinen Platz in der Gesellschaft finden. Lehnt diese aber den Jugendlichen oder sein Verhalten ab, so verzögert sich sein Prozess der Identitätsfindung. 

Die unangemessene Lösung der Phase der Adoleszenz nach Erikson beinhaltet das Selbstbild ohne stabilen Kern und somit wenig bis kein Selbstvertrauen des Jugendlichen. Die angemessene Lösung hingegen ist die Erstellung eines kohärenten Selbstbildes, bedingt durch soziale Unterstützung, das Erstellen von Zukunftsplänen und das Setzen von Zielen. 
von Lisa-Marie Osterhaus

Maria Montessori - Ein elementarpädagogisches Modell

„Das Kind allein ist der Bildner seiner Persönlichkeit“
Sensible Phasen
 
  • Entwicklungsabschnitte vorübergehender Dauer zum Erwerb bzw. zur Entwicklung bestimmter Kompetenzen und Fertigkeiten → „Bauplan der Entwicklung“
  • Kommen in den drei großen Entwicklungsstufen vor, keine Stufe kann übersprungen werden
  • Jede Stufe ist mit körperlichen und geistigen Merkmalen verbunden
  • Stufen verlaufen gesetzmäßig und regelhaft → Erfolg nur bei Beachtung der Gesetzmäßigkeiten
  • Reifungs- und lernabhängig
  • Das Kind muss lernen, unabhängig vom Erwachsenen zu werden
  • Es darf weder über- noch unterfordert werden

Polarisation der Aufmerksamkeit

  • Totale Konzentration auf einen Gegenstand, bis die selbst gewählte Aufgabe gelöst ist
  • → kann nur erreicht werden, wenn innerstes Interesse vorhanden ist
  • Nach Erreichen der Aufgabe: „Flow-Gefühl“ (Entspannung)
  • Konzentration ist der Schlüssel der Pädagogik

Stufen der Polarisation

1)     Vorbereitung
        Umständliche Arbeitsplatzvorbereitung
Das Kind ist suchend, noch unentschlossen, bis es sich einer Tätigkeit seines Interesses zuwendet und den Arbeitsplatz mit Freude und Hingabe vorbereitet
       Erzieher gibt ihm eine Einführung und Anleitung

2)      Phase der großen Arbeit
        Das Kind lässt sich nicht ablenken und wird mit der Sache „eins“
        Bewegung der Hände fördert die geistige Entwicklung
        Loben des Erziehers motiviert das Kind
        Das Kind perfektioniert seine Fähigkeiten
        Nach dem Lösen der Aufgabe ist das Kind zufrieden und ausgeglichen

3)      Stufe der Ruhe und des Ausruhens
        Das Kind ist vollständig verändert, es ist ruhiger, intelligenter und mitteilsamer
        Es ist ein „normalisiertes Kind“ , es hat also eine stärkere Konzentrationsfähigkeit, ist disziplinierter und entfaltet sich individuell

 
Die vorbereitete Umgebung

  • Die Gestaltung ist die Hauptaufgabe des Erziehers
  • Mittel zur Selbsterziehung
  • An Bedürfnisse des Kindes angepasst
  • Kompetenzentwicklung durch Bereitstellung von Entwicklungsmaterial, das Material ist aufeinander aufgebaut
  • Lerngegenstände müssen die Sinne und die Bewegung beinhalten
  • Wiederholungs- und Variationsmöglichkeiten müssen gegeben sein → ein Lernziel, Selbstkontrolle
  • Abstraktes wird versinnbildlicht und dem Kind über konkretes Handeln zugänglich gemacht
  • Die äußere Ordnung gibt dem Kind eine Orientierungshilfe

Die freie Wahl

  • Setzt Lernbedürfnis des Kindes voraus
  • Frei von Ängsten und psychischer Not
  • Hilft, Bedürfnisse und Talente zu erkennen
  • Grenzen sind vorhanden, sobald ein anderes Kind gestört wird
  • Jeder Gegenstand ist nur einmal vorhanden, damit das Kind lernt, Absprachen zu treffen
  • Werkzeug zur Selbsterkenntnis

Selbsttätigkeit und Bewegung

  • Grundlegende Bedeutung für die Entwicklung
  • Unabhängigkeit = Selbstständigkeit
  • Auseinandersetzung mit der Umwelt durch Bewegung
  • Begreifen mit den Händen ist die Voraussetzung zur Bildung vom Begreifen

Selbstständigkeit durch Selbsttätigkeit

  • Streben nach Unabhängigkeit von Erwachsenen
  • Geordnete, sinnvolle Bewegungen sind Ausdruck eines denkenden Ichs
  • Koordination im zweckmäßigen und zielgerichteten Handeln führt zur Disziplin
  • Dabei muss das Kind lernen, sich an seine Umwelt anzupassen
  • Die vorbereitete Umgebung und die Vorbereitung des Lehrers → praktisches Fundament der Erziehung

Ziel: Unabhängigkeit vom Erwachsenen


  von Vanessa Bonfert, Christin Debbert und Janine Weßling

Hurrelmann - Jugendliche zwischen Transition und Moratorium

Mit dem Übergang in das Erwachsenenalter beginnt die Identitätsbildung, bei welcher der Jugendliche zwei Konzepte miteinander kombinieren muss: Moratorium und Transition.
Das Konzept Moratorium bietet dem Jugendlichen einen gewissen Schonraum, welcher ihm eine gesellschaftliche Auszeit und Rückzug ermöglicht.
Im Gegensatz hierzu steht das Konzept der Transition, denn es steht für einen schnellen Übergang ins Erwachsenenalter, welcher an der Gesellschaft orientiert ist.
Durch Kombinationen dieser beiden Konzepte sind vier Ausprägungsrichtungen möglich, bei welchen der Jugendliche immer Produzent seiner eigenen Entwicklung ist.


Durch dieses Modell könnte ein gewisses „Schubladendenken“ entstehen. Um das zu vermeiden, müssen diese vier Möglichkeiten nur als Richtungen mit flüssigen Übergängen gesehen werden.

von Sarah Hinrichsmeyer